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Was ich immer schon ahnte, bestätigt nun eine Studie von Psychologen der Universität Miami: Eltern halten große Stücke auf ihre Kinder - und die sind so groß, dass man, wären sie aus nur einer Torte geschnitten, mehrere Torten erhielte, falls man sie wieder zusammensetzte. Lies: Es ist ein Mirakel.
Zwei Wissenschaftler aus dem sonnigen Florida, Andrew Wenger und Blaine J. Fowers befragten 78 Eltern, meist Mütter über ihre Sprößlinge. Die Kinder waren zwischen zwei und fünf Jahre alt. Dabei wurde eine Vielzahl von Eigenschaften abgefragt: Intelligenz und Sinn für Humor beispielsweise. Neun von zehn der Befragten hielten ihre Kinder für überdurchschnittlich - und dies nicht nur hinsichtlich einzelner Eigenschaften, sondern generell.
Wenger erklärte diesen - aus mathematischer Sicht überraschenden - Befund mit kulturbedingten Einstellungen. Eine Kultur wie die amerikanische, die unmittelbare Befriedigung, Individualismus und Konkurrenz wertschätze, verführe eben zu einer Überschätzung des eigenen Nachwuchses. Außerdem würden die Amerikaner dem Selbstwertgefühl eine große Bedeutung für den Erfolg im Leben einräumen. Da liegt es natürlich nahe, den Kindern davon durch eine Kanonade postiver Bewertungen möglichst viel mit auf den Weg zu geben.
Überdies, so Wenger, wollten Amerikaner gute Eltern sein - und zu diesem Selbstbild gehörten einfach auch gute - und das heißt für die amerikanische Mentalität - überdurchschnittliche Kinder.
Auch wenn natürlich rein rechnerisch die überwiegende Mehrheit der Kinder nicht überdurchschnittlich sein kann, mag ich die Eltern dieser Studie nicht belächeln. Denn offenbar lieben sie ihre Kinder. Liebe ist ein starkes Gefühl mit zwei Eigenschaften: Es stellt das geliebte Objekt in ein positives Licht und es macht uns empfänglich für Suggestionen. Ist die Liebe nur innig genug, dann gewinnt diese Empfänglichkeit eine hypnotische Qualität.
Es ist da ein Wunder, dass vom Nachwuchs hypnotisierte Eltern ihre Kinder allesamt für in jeder Hinsicht überdurchschnittlich halten?

Und Autofahren kann es auch schon
© Lothar Henke / Pixelio
Es mag natürlich ein ein Quäntchen Narzissmus bei diesem Phänomen eine Rolle spielen. Schließlich sind die Kinder ja das "eigen Fleisch und Blut". Und dafür erwartet man Anerkennung. Um daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen, ist es ratsam, die eigene Brut gut sichtbar mit Lorbeeren zu bekränzen.
Und so wage ich zu bezweifeln, dass die Ergebnisse der Studie im Sinne ihrer Autoren mit Stereotypen der amerikanischen Kultur zu erklären sind. Es dürfte sich hier vielmehr um ein universelles Phänomen handeln - das sich natürlich bevorzugt bei Eltern zeigt, die ihre Kinder lieben.
Und so stellt sich natürlich die Frage nach der Repräsentativität dieser Studie, denn in Amerika und anderswo gibt es ja auch Eltern, denen die eigenen Kinder gleichgültig sind und die sie vielleicht sogar verachten, wenn nicht hassen. Diese Eltern dürften dann eher geneigt sein, ihre Kinder für unterdurchschnittlich zu halten, auch wenn sie dies selbstredend nicht immer zugeben - aus konformistischen Gründen.
Im Alltagsleben beobachte ich immer wieder Eltern, die sich so verhalten, als ob ihnen ihre Kinder nicht besonders am Herzen liegen. Es handelt sich dabei nicht in jedem Fall um offensichtliches Verhalten, bei dem Beobachter den Ruf nach dem Jugendamt kaum unterdrücken können. Dies gibt es natürlich auch: betrunkene Väter, die über ihre Kinder stolpern und frustrierte Mütter, die mit hochroten Köpfen und wutverzerrten Minen auf ihre Bälger einprügeln. Doch häufig ist die Grausamkeit subtiler.
Hier denke ich z. B. an Mütter, deren Kinder unbeaufsichtigt jeden erdenklichen Unfug anstellen dürfen, während sie mit ihren Freundinnen quatschen. Indes treibt der unerzogene Nachwuchs dann gutgelaunt manchen Busfahrer, manche Supermarktverkäuferin oder manchen wohlmeinenden Nachbarn zur Verzweiflung.
Diese Kinder sind in den Augen ihrer Mütter offenbar so unterdurchschnittlich, dass jeder erzieherische Eingriff, jede Förderung ohnehin nicht fruchten könne und vergebliche Liebesmühe wäre. Und diese Mütter sind sonder Zahl in unserem Deutschland anno 2008.
"Hochbegabte Kinder zeichnen sich durch sehr früh entwickelte, weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen aus, durch die sie Gleichaltrigen oft beträchtlich voraus sind. Dies kann den logisch-mathematischen, den sprachlichen, den musikalischen, den bildnerisch-künsterischen, den sportlichen oder den sozialen Bereich - manchmal auch mehrere dieser Bereiche gleichzeitig - betreffen."
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